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Blendgutachten für Photovoltaikanlagen – wann brauche ich das?

Photovoltaikanlage mit Blendeffekt
Photovoltaikanlage mit Blendeffekt

Blendgutachten für PV-Anlagen

Photovoltaikanlagen brauchen ein Blendgutachten, wenn die Gefahr besteht, dass Verkehrsteilnehmer durch die Blendwirkung von Solarmodulen gefährdet, oder Anwohner unzumutbar belästigt werden könnten. Während es für Blendung durch künstliches Licht mehrere Normen gibt, ist die reflektorische Blendung in der Literatur nicht ausreichend beschrieben und auch wenig erforscht. Gerade daher entsteht oft Ungewissheit was die Zumutbarkeit von Reflexionen durch Photovoltaikmodule angeht. Das auch die Reflexion von natürlichem Sonnenlicht zu Problemen führen kann, wird vor allem dann klar, wenn man als Autofahrer von vorne geblendet wird, wenn Lokführer die Haltesignale nicht mehr erkennen können, oder die Fluglotsen am Tower die ankommenden Flugzeuge nicht mehr sehen können. Aber auch unnatürliche Aufhellungen an der Wohnzimmerdecke, die durch die PV Anlage vor dem Haus entstehen, stellen eine Störung dar.

Was bedeutet Blendwirkung durch Solarmodule?

Als Basis für die Zumutbarkeit wird oft die Dosis (also die Stärke und die Dauer) der Immission herangezogen. Die Stärke der Reflexion durch Solaranlagen ist von vielen Parametern abhängig (Einfallswinkel, Sonnenstand, Reflexionsoberfläche, menschliche Wahrnehmung, Umgebung) und sehr aufwändig zu messen oder zu berechnen – sicher ist aber, dass sie alle uns bekannten Leuchtdichten bei weitem übersteigt (mit Ausnahme der direkten Sonne). Daher wird sie meist nicht gesondert berechnet, sondern als gleichbleibende unnatürliche Störung eingestuft. Der zweite Parameter – die Dauer – steht also im Mittelpunkt eines Blendgutachtens. Die Immissionszeit, die von Ausrichtung und Größe des PV-Generators, sowie vom Sonnenverlauf abhängt, wurde schon in einigen gerichtlichen Verfahren zur Bewertung der Zumutbarkeit verwendet. Die Länder-Arbeitsgemeinschaft für Immissionsschutz nennt in Ihren Empfehlungen den Blendungs-Grenzwert von 30 Minuten pro Tag und 30 Tagen pro Jahr.

GlareOccuranceWer bietet Blendgutachten für Photovoltaikanlagen an?

Blendgutachten für Photovoltaikanlagen werden meist von Ingenieurbüros, Universitäten und Forschungsstätten angeboten. Auch Photovoltaik-Serviceunternehmen wie Envaris führen Blendgutachten in Ihrem Angebot und werden dabei nicht selten vom Autor dieses Artikels unterstützt. Während es unterschiedliche Methoden der Berechnung und der Darstellung der Blendwirkung von Photovoltaikmodulen gibt, haben doch alle ernst zu nehmenden Gutachten gemeinsam, dass sie die Immissionsdauer (also Minuten pro Tag und Tage pro Jahr) errechnen. Die generelle Aussage einzelner Modulhersteller „unsere Module blenden nicht“ basiert wohl eher auf der Kopf-in-den-Sand Methode, als auf ernst zu nehmenden Messungen.

Wer braucht ein Photovoltaik-Blendgutachten?

Blendgutachten werden oft schon vor Baubeginn von der Behörde gefordert (bei Photovoltaikanlagen die eine entsprechende Größe haben, oder von denen ein Gefahrenpotenzial ausgeht). In den einzelnen Fällen, wo erst bei Eintreten einer Blendwirkung ein Gutachten erstellt wird, ist es oft schon zu spät für günstige Lösungen und es stehen teure Umbauten ins Haus. Die Neuausrichtung des PV-Feldes, oder auch das nachträgliche Einrichten von Abschattungsmaßnahmen kann die Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage in Frage stellen. Aber auch hier hilft die Blendberechnung eine effektive und kostengünstige Option für die blendreduzierenden Maßnahmen zu wählen. In Zweifelsfällen ist die Erstellung eines PV-Gutachtens aber sicherlich schon vor Baubeginn anzuraten.

VerteilungWas tun bei Änderungen an Solaranlagen?

„Nach einem Hagelschaden muss ich die Solarmodule austauschen – muss ich nun das Blendgutachten wiederholen?“ „Ich möchte meine PV-Anlage erweitern – brauche ich dafür ein neues Blendgutachten?“ Diese und ähnliche Fragen stellen sich Anlagenbesitzer, die Veränderungen an ihrer bestehenden PV-Anlage vornehmen. Die Entscheidung, ob ein neuerliches Gutachten erforderlich ist, liegt in diesen Fällen bei der Baubehörde. Aus unserer Sicht wird aber das Austauschen von PV-Modulen die Blendwirkung nicht wesentlich verändern, da Reflexionen der gleichen Größenordnung zu erwarten sind. Bei Reparatur- und Service Arbeiten, die die Größe und Ausrichtung des PV-Generators nicht verändern, muss also kein neues Gutachten erstellt werden. Bei Veränderung von Modul-Azimut oder –Neigung, sowie bei wesentlichen Erweiterungen ist die Erstellung eines Gutachtens aber dringend empfohlen, um Blendungen zu vermeiden.

Wie komme ich zu einem PV-Blendgutachten?

Als Grundlage für die Blendberechnung werden der genaue Aufstellungsort, die Abmessungen des PV-Feldes, sowie Modul-Azimut und –Neigung benötigt. Außerdem muss klar sein welche Immissionspunkte betrachtet werden sollen (Straßen, Nachbarn, etc). Auf dieser Basis können wir ein Blendgutachten für Photovoltaikanlagen erstellen, das den Anforderungen der Behörden entspricht und die Blendwirkung der Photovoltaikanlage im Detail vorhersagt.

 

Zehndorfer1Sie erreichen den Autor unter:

www.zehndorfer.at

jakob.zehndorfer@zehndorfer.at

Dipl.-Ing. Jakob Zehndorfer ist gerichtlich beeideter Sachverständiger mit vielen Jahren Erfahrung in Photovoltaik und Elektrotechnik. Zehndorfer Engineering hat viele Blendgutachten in Deutschland und Österreich erstellt. Diese haben geholfen Blendungen auf Straßen, Bahngleisen und für den Luftverkehr zu vermindern und zu vermeiden.

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